100 km von Belvès – Laufen in einem der schönsten Flusstäler Frankreichs

Der Mythos der für Nicht-(Ultra-)läufer unvorstellbaren Distanz von 100 Kilometern verbindet sich in der Dordogne mit Sightseeing pur, immerhin startet man in einem der schönsten Dörfer Frankreichs und noch drei weitere stehen auf dem Programm!

Les plus beaux villages de France

Zur Erklärung: „Les plus beaux villages de France“ ist eine Vereinigung der schönsten Dörfer Frankreichs, so zumindest das Credo des Vereins. Auch wenn vielleicht nicht jedes „schönste“ Dorf Mitglied in diesem Verein ist, kann man als Tourist in Orten mit dieser Bezeichnung nicht falsch liegen und immer viel typisch Französisches entdecken. Insgesamt gibt es in Frankreich etwa 150 Mitgliedsdörfer und vier davon sind auf der Laufstrecke: der Start- und Zielort Belvès, Beynac , La-Roque-Gageac und Castelnaud-la-Chapelle (Ortsteil Les Milandes). Weitere Infos mit einer Übersichtskarte: http://www.les-plus-beaux-villages-de-france.org/fr. Aber auch die anderen Orte auf der Strecke und die Landschaft des „Périgord Noir“ selbst sind ein wirkliches Highlight. Dazu kommt mit Sarlat am 50 km Wendepunkt noch eine der schönsten Kleinstädte Südwestfrankreichs (wenn auch die Strecke nicht durch das schöne Zentrum führt). Zahlreiche „Märchenschlösser“ und Burgen an Strecke nicht zu vergessen! Am bekanntesten davon vielleicht das Château des Milandes, auf dem Josephine Baker zeitweise zu Hause war (heute Museum). Heute haben sehr viele Briten die Region für sich entdeckt und sich hier niedergelassen.

100 Kilometer des Périgord Noir

100 km von Belvès: Straße (=Laufstrecke) in La-Roque-Gageac, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, im Vordergrund die Dordogne

Die Strecke

Doch nun zum Laufen selbst: Die Strecke ist eine Mischung aus Rund- und Pendelkurs, das heißt vom Startort Belvès geht hinab ins Tal der Dordogne und wieder hinauf nach Sarlat und auf dem Rückweg ist die Streckenführung teils die gleiche, in Teilen wird aber auch auf der anderen Flussseite gelaufen. Der Höhenunterschied zwischen den Orten „oben“, also Belvès/Sarlat und dem Talgrund beträgt etwa 100 Meter. Man sollte sich von den ersten 30 Kilometern nicht verleiten lassen und zu schnell anzugehen, dann hier geht’s erst bergab und dann immer gerade aus, aber dann wird es hügeliger und schon die lange Steigung hinauf nach Sarlat wird immer länger. Kernig wird es auch nochmal ganz am Schluss, denn muss man auf den letzten Kilometern wieder ganz hinauf zum Startort. Allerdings hört man schon 2-3 Kilometer vor dem Ziel die Musik vom Festzelt weit hinunter, so dass der letzte steile Anstieg leichter fällt, als gedacht. Die Strecke ist durchgehend asphaltiert.

Sightseeing inklusive

Wirklich schön sind die Passagen durch die typischen Ortschaften der Dordogne mit ihren hellen, freundlichen Kalksteinhäusern, durch die der Lauf wirklich mitten hindurch geht und die viel französisches Flair versprühen (mit Sarlat als bereits angesprochene Ausnahme). Die Dörfer eigenen sich auch hervorragend, sich die Strecke in kleinere überschaubare Einheiten aufzuteilen. Auf der Strecke selbst zwischen den Ortschaften sollte man nicht mit Publikum rechnen, das einen anfeuert, hier sind die meisten Zuschauer doch eher Vierbeiner, die stoisch auf der Weide stehen.

Ein Lauf mit Tradition

2013 finden die 100 km du Périgord Noir bereits zum 37. Mal statt, ein Lauf mit großer Tradition also, in diesem Jahr am 27. April 2013. Périgord ist (grob gesagt) die alte Landschaftsbezeichnung für das heutige Department Dordogne (Nummer 24). Das „Noir“ kommt von den düsteren Eichenwäldern. Daneben kennt man noch das Périgord vert, blanc et pourpre, also grün, weiß und purpur, wobei letzteres eine Erfindung von Fremdenverkehrsmanagern ist, um die Weinregion um die Stadt Bergerac touristisch aufzuwerten.

Seit einigen Jahren steht neben der 100 km auch eine 50 km Strecke auf dem Programm, für alle, die einmal über den Marathon hinauswollen, sich aber an die 100 km noch nicht herantrauen.

100 Kilometerläufe sind familiäre Ereignisse

Kritisch sei an dieser Stelle angemerkt, dass ein Teil der Strecke über eine nicht gesperrte Landstraße führt. Vor allem am Samstagvormittag ist hier mit einigem Verkehr zu rechnen. Das ist nicht jedermanns Sache. Fahrradbegleitung ist möglich, inzwischen werden sogar Leihfahrräder angeboten. Außerdem können jetzt in Sarlat (Kilometer 50) oder in La-Roque-Gageac (Kilometer 62) Kleidersäcke deponiert werden. Ende April kann man in der Region, die für ihr mildes Klima bekannt ist, mit frühlingshaften Temperaturen rechnen. Allerdings gab es auch schon total verregnete Ausgaben! Auf den 100 Kilometern ist mit etwa 500 Läufern zu rechnen, 2013 vielleicht mehr, da Belvès 2013 Austragungsort der Französischen und Europäischen Meisterschaft ist. Trotzdem wird Belvès wieder eher ein familiäres Ereignis bleiben, da die Familie der Ultraläufer doch nicht so zahlreich ist.

100 Kilometer des Périgord Noir, noch 20 Kilometer

100 km von Belvès – Ein tolles Gefühl zum ersten Mal die Schilder zu sehen, die über die Marathondistanz hinausgehen

Länger bleiben loht sich!

An Übernachtungsmöglichkeiten ist in dieser touristischen Region kein Mangel. Ob Hotel, Auberge (Gasthof), Chambre d’Hôte (Gästezimmer), Feriendorf oder Campingplatz. Die Auswahl ist groß und um diese Jahreszeit sollte auch immer etwas zu finden sein. Unbedingt nach dem Lauf noch ein paar Tage bleiben, dann können auch die kulinarischen Höhepunkte der Region noch in vollen Zügen genossen werden. Stichworte: Ente, Gans, Trüffel, Walnüsse …

Meine Empfehlung: Ein Confit de Canard mit Pommes de terres Sarladaises (eingelegtes und dann wieder erhitztes Entenfleisch mit in Entenfett ausgebratenen Bratkartoffeln) und dazu ein Viertel Pécharmant (Rotwein aus der Gegend von Bergerac). Bon appetit et santé!

Selbst gelaufen im Jahr 2007 in 13 Stunden 26 Minuten.

Alle Infos: http://www.clubathletiquebelvesois.fr/index.html (nur in französischer Sprache, Anmeldeformulare auch in Englisch)

Noch nie an die 100 km herangetraut? Demnächst hier meine 10 Tipps, wie du es schaffen kannst!

Eco-Trail de Paris oder wie Dummköpfe einen schönen Lauf verderben können…

Zu diesem Bericht habe ich ausnahmsweise mal laufen lassen (während ich im Warmen saß) und lasse meinen Clubkollegen Philippe zu Wort kommen. Herzlichen Dank Philippe, dass ich deinen Bericht hier verwenden (übersetzen) darf! Umso mehr, als das Ende… (he, ihr sollt schon bis zu Ende lesen!)

30 km oder 50 km oder 80 km

Doch zunächst ein paar Fakten: Der EcoTrail de Paris bietet dem Läufer eine Auswahl aus drei Distanzen: 30 km, 50 km und 80 km. Zusätzlich seien noch die Höhenmeter erwähnt, denn die gilt es noch hinzuzuzählen: für den 30er sind es 600 (positive) Höhenmeter, für den 50er deren 1000 und für den 80er ungefähr 1500 Höhenmeter, wobei wir also einen vergleichbaren Wert zum bekannten Rennsteiglauf haben. Nebenbei sei noch erwähnt, dass es einen Schnupperlauf über 18 km gibt (für Zweierteams ohne Zeitnahme) sowie Wanderungen (randonnée) und Nordic Walking (marche nordique). Ziel für alle Läufe ist der Eiffelturm in Paris und die Starts entsprechend der Laufstrecke mehr oder weniger entfernt von Paris: für den 80er in St.Quentin, für den 50er im Park des berühmten Schlosses von Versailles und für den 30er im Park des Observatoire de Meudon, einer der wichtigsten Forschungseinrichtungen für Astronomie in Europa.

Parc du Château Versailles

Park von Schloss Versailles – Start EcoTrail de Paris (50 km)

Doch nun lassen wir Philippe zu Wort kommen:

„Mittag, Saint-Quentin-en-Yvelines, und wir sind für einen schönen Naturlauf mit 80 km bis zum Eiffelturm gestartet. Das Wetter ist grau, aber es regnet nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass es im Südwesten von Paris so viele Wasserflächen gibt, Seen und Teiche, Flüsse, Bäche… Gut, es hat nicht gerade wenig geschneit in den letzten Tagen und die Wege sind schlammig, und das ist ein beschönigender Ausdruck! Im Übrigen staut es sich ein bisschen, weil niemand durch den gröbsten Dreck laufen will. Einige singen den alten Schlager „la gadoue, la gadoue… “ (La Gadoue von Serge Gainsbourg, Anm. des Übersetzers). Später am Abend laufen alle durch diesen schwarzen Schlamm, resigniert und die letzten Läufer sinken bis über die Knöchel tief ein. So ein paar Gamaschen sind echt gut!

Der Höhenunterschied ist auch auf dem Programm, ich drehe mich oft um, um die Steigungen zu bewundern, die ich gerade wieder geschafft hatte. Das ist einen Anblick wert! Unglaublich, dass diese Wälder so steile Anstiege und nicht weniger steile Abstiege verbergen können!!! Und erst hinter mir, wie sie sich abstrampeln… Ja, diese Gedanken sind schäbig, aber sie trösten!

Viele Nationen unterwegs

Alles verläuft trotzdem gut bis zu unserer Ankunft – ich schreibe « unserer », weil ich mit einem Philippinen, drei Engländern und Engländerinnen, einem Schweizer, mehreren Franzosen und Französinnen laufe – zu einer herrlichen Wegkreuzung, an der etwa zehn schöne Straßen und Waldwege zusammentreffen inmitten des Waldes von Meudon. Das Problem, auf der linken Seite, 4 oder 5 davon haben eine Markierung!!! Ich gebe zu, dass ich sofort lachen musste und dachte „Ah, diese A…..!“ Gut, wir wurden von einer Spaziergängerin wieder auf den Weg gebracht, die uns anzeigte, dass sie Läufer in Richtung des Waisenhauses habe laufen sehen… Die Rennleitung, die ich kurz anrief, hat mir dann auch bestätigt, dass die nächste Verpflegungsstelle in einem Waisenhaus liegt! Nachdem ich das dann auf englisch meinen Laufkollegen erklärt hatte, ging es auch wieder weiter.

Dunkel und kalt

Die Nacht bricht herein und wir durchqueren im Schneeregen den Park des Observatoriums von Meudon. Der Schlamm wird immer hartnäckiger, die Wege wurden von den vorauslaufenden Läufern aller drei Läufe bereits schön durchgeknetet. Dazu wird es empfindlich kalt. Und da, schon wieder, ein Problem: keine Markierung… Umkehren, wir finden den Weg wieder; meiner Meinung nach fehlt eine Markierung. Und jetzt lache ich nicht mehr!!! Ein Stück weiter, wieder Verwirrung, ich habe gerade rechtzeitig noch einen ausländischen Läufer eingesammelt, der bereits weit und mit schnellem Schritt mit seinen Stöcken nach Meudon hineingelaufen ist!!! Kein Glück Junge, es geht genau in die entgegengesetzte Richtung!!!

Wo ist die Markierung?

In Kontakt mit der Rennleitung gibt diese zu, dass Markierungen mutwillig entfernt wurden « Das ist hier das Hobby von gewissen Leuten!“ und ich versuche die nächste Zeitbarriere zu verhandeln, da uns die zusätzlichen 4 bis 5 Kilometer belasten. Und im Schlamm und in der Nacht kommen wir nicht schnell voran… Und die Verhandlung ist hart…aber vergeblich, weil wir noch den Park von Saint Cloud durchqueren müssen und der wird zu genau festgesetzten Zeiten geschlossen. Wir müssen also den Lauf in Chaville beenden. Und das ist überhaupt und ganz und gar nicht mehr lustig!!!

Trotzdem schöne Erinnerungen

Also gut, ihr habt verstanden, dass ich den Eiffelturm verpasst habe, aber ich habe schöne Momente mit dem ein oder anderen verbracht: „You are Philippine? My first name is Philippe! Lol, me it’s Allan!“ Ein Schweizer Läufer, der fast kein Wasser mehr hatte, hat mir welches angeboten, da er wusste, dass ich ganz auf dem Trockenen war. Das, das sind schöne Erinnerungen! Als ich dann auf dem Marsfeld (mit dem Bus) angekommen bin, verdreckt, steif vor Kälte und müde mit meinem Rucksack und meiner Startnummer, wollte mir ein fliegender Händler einen Eiffelturm verkaufen!!! In Paris überrascht nichts niemanden…. Und ich könnte noch mehr Anekdoten erzählen… Natürlich bedauere ich, dass ich den Lauf nicht beenden konnte, aber es war trotzdem (aus vielen Gründen) ein guter Test für den Wiedereinstieg (Anm.: Philippe hatte eine Laufpause gemacht), der die Saison einleitet…

Der Urban Trail – Aus der Natur zurück in die Stadt

Eine beliebte Art von Laufveranstaltungen in Frankreich sind seit einigen Jahren sogenannte „Urban Trails“. Nachdem vielleicht nicht jeder mit dem Begriff etwas anfangen kann, hier noch mal kurz das Konzept:

Früher standen die Straßenläufe im Mittelpunkt des Läuferinteresses, dann ist die Laufbewegung dem Ruf der Natur gefolgt und Läufe über Stock und Stein in schönen Landschaften sind entstanden. Das Konzept des Urban Trail versucht nun, den Landschaftslauf zurück in die Stadt zu bringen. Gelaufen wird also nicht mehr auf breiten Straßen wie bei Stadtmarathons, sondern auf vorzugsweise unasphaltierten Wegen durch Parks, an Flüssen oder Kanälen entlang, gern auch über Treppen; echte „Landschaftsläufe“ eben, nur inmitten der Städte oder zumindest am Stadtrand.

Stadtlauf mal anders

Die Idee hat sicher ihr gutes: Die meisten Läufer wohnen nun mal in den Städten und jetzt entdecken sie quasi ihre Stadt neu, aus einem anderen Blickwinkel oder lernen die gewohnten Trainingsstrecken im Wettkampf kennen. Und zum Start kommt man bequem mit S-, U- oder Straßenbahn, auf jeden Fall mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Während des Laufes selbst merkt man schnell, wie anspruchsvoll so ein Urban Trail ist. Notwendige Tempowechsel, Gehpassagen, Treppen, Gedrängel an Engstellen machen die Urban Trails zu sehr abwechslungsreichen Lauferlebnissen. Außerdem steht mehr der Lauf selbst und weniger die Zeit im Vordergrund, weil sich unterschiedliche Trails sowieso nie vergleichen lassen.

Paris und Lyon als Vorreiter

Heute sind die bekanntesten Vertreter der Kategorie Urban Trail der EcoTrail de Paris und der Lyon Urban Trail, beide jeweils im Frühjahr, Paris Mitte März und Lyon dann einen Monat später. Über 6000 Teilnehmer in Lyon und über 7500 Teilnehmer in Paris belegen, wie erfolgreich das Konzept des Urban Trails in Frankreich inzwischen ist.

Ich persönlich glaube, dass das Ende dieser Bewegung noch lange nicht erreicht ist und dass noch mehr Urban Trails folgen werden. Opfer ihres eigenen Erfolges können die Urban Trails allerdings werden, wenn die Organisation nicht passt und sich zu viele Läufer auf zu engen Passagen drängen und lange Staus entstehen, zumindest für die Läufer ab der Mitte des Feldes. Denn welcher Läufer will schon mehr stauen als laufen?

Demnächst an dieser Stelle mehr über den EcoTrail de Paris, der am 16. März 2013 stattfindet!

Alle Infos: http://www.traildeparis.com/ (auch in deutscher Sprache, mit hohem Unterhaltungswert, so wird zum Beispiel Nordic Walking als „Nordeuropäische Gänge“ übersetzt) und http://www.lyonurbantrail.com/ (nur in französischer Sprache).

EcoTrail de Paris Ziel Eiffelturm

Nicht zu verfehlen – der Eiffelturm, das Ziel des EcoTrail de Paris

La Ponticaude – Limoges

Heute wieder einmal ein Lauf « zu Hause », das heißt, direkt an meinem Wohnort in Limoges.

Weshalb ich den eher auf regionaler Ebene interessanten Lauf hier vorstelle, ist das selten praktizierte Format der Veranstaltung:

90 Minuten für alle!

Der Veranstaltungsort: der Lauf findet in Limoges (Region Limousin, Department Haute-Vienne, Nummer 87) am zweiten Wochenende im März entlang des Flusses Vienne, einem Nebenfluss der Loire, statt. Die zu laufende Strecke ist eine Runde von etwa 3 Kilometern an beiden Flussufern, die an den Endpunkten von zwei historischen Brücken aus dem 13. Jahrhundert begrenzt wird: Pont St. Martial und Pont St. Etienne. Die fast baugleichen Brücken bilden mit ihrem “historischen Kopfsteinpflaster“ denn auch die einzige nennenswerte Schwierigkeit auf der Strecke. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bildeten beide Brücken übrigens die einzige Verbindung zwischen beiden Ufern – heute unvorstellbar!

Pont St. Etienne ist Teil des Jakobsweges, das heißt, im Sommer kommen hier viele Pilger vorbei und bis Santiago de Compostela sind’s ab hier noch ungefähr 1400 km.

Die Muschel weist den Pilgern den richtigen Weg

Die Muschel weist den Pilgern den richtigen Weg

Doch so weit wollen wir heute gar nicht mehr. Die gelaufene Distanz spielt heute sowieso nur für die ersten Läufer eine Rolle, der Rest erfreut sich an dem malerischen Flussufer, an dem der aufmerksame Beobachter auch immer wieder Eisvögel bewundern kann – mitten in der Stadt!

Schuss und Schluss

Zurück zum Veranstaltungsformat: Gelaufen wird nach dem Startschuss also exakt 90 Minuten. Dann knallt ein lauter Pistolenschuss durch die Luft und jeder Läufer bleibt an seinem dann erreichten Platz, bis ein Kontrolleur vorbei kommt und die gelaufene Teilstrecke notiert. Gelaufene Runden plus diese Teilstrecke werden dann addiert und bilden das Endergebnis.

Was ich daran sympathisch finde? Ganz einfach! Alle sind am Ende noch da! Während bei Läufen auf Strecke die ersten schon lange geduscht und nach Hause gefahren sind, bevor die letzten ins Ziel kommen, kann es hier vorkommen, das der erste und der letzte zusammen auf den Streckenkontrolleur warten und ins Gespräch kommen. Find ich prima! Außerdem gibt’s für jeden Teilnehmer eine Flasche Wein, wir sind ja schließlich in Frankreich. Santé!

Gelaufen 2007: 24,962 km (nicht schlecht, gell? – na gut, ich gebe zu, seinerzeit war die Laufzeit noch 120 Minuten, jetzt leider verkürzt auf 90 Minuten)

Veranstalter ist Spiridon: http://www.spiridon-limousin.fr

La Ponticaude – Der Name und ein wenig Geschichte

PS: Der Name des Laufes kommt übrigens von den Einwohnern Limoges, die an den Stadtvierteln um die Brückenköpfe zu Hause waren: Les Ponticauds. Hier wohnten einfache Leute, die nur Patois, also Okzitanisch sprachen und kein Französisch. Die Männer arbeiteten auf dem Fluss und landeten mit einfachsten Booten Baumstämme an, die weiter flussaufwärts in den Fluss geworfen wurden und als Baumaterial und vor allem als Brennstoff für die schier unersättliche Porzellanindustrie verwendet wurden. Die Frauen verdingten sich als Wäscherinnen. Monsieur Hemar engagiert sich sehr, das Andenken an diese Bevölkerungsgruppe zu bewahren: Die Seite http://www.ponticauds.fr/ erzählt ihre Geschichte und viele Fotos geben Einblick in das Leben von damals.

Pont St. Etienne und der Dom St.Etienne im Hintergrund

Pont St. Etienne und der Dom St.Etienne im Hintergrund

Wo finde ich Laufveranstaltungen in Frankreich?

Wie in Deutschland, so gibt es natürlich auch in Frankreich eine ganze Reihe Webseiten auf denen Läufe zu finden sind. Hinzu kommen dann noch die Sonderausgaben der Laufzeitschriften zum Jahresende, die aber für den deutschen Laufinteressenten nur schwer zugänglich sind. Außerdem lohnt sich die Anschaffung nicht unbedingt, wenn ich nur wissen möchte, was zum Beispiel in der Nähe meines Urlaubsortes geboten ist, wenn ich dort meine Ferien verbringe.

5000 Läufe zur Auswahl

Um es vorweg zu schicken: In Frankreich werden jährlich ungefähr 5000 Laufveranstaltungen organisiert. Da sollte also für jeden etwas dabei sein!

Hier einige Webadressen für eure Suche:

http://www.kikourou.net: Hinter der sehr „modernen“ Schreibweise von „Qui court où?“ steckt eine Community von Ausdauersportlern und bei http://www.kikourou.net/calendrier/ ist eine Datenbank hinterlegt, bei der nicht nur Läufe, sondern auch Veranstaltungen zu anderen Ausdauersportarten hinterlegt sind. Die Suche kann über eine Karte, über die Angabe eines Departments oder über Kriterien erfolgen.

Ganz ähnlich findet ihr eine Datenbank auf der Webseite einer der führenden Laufzeitschriften, nämlich Jogging International. Die Zeitschrift bringt mit ihrer Dezemberausgabe einen sehr vollständigen Laufkalender heraus, zumindest was die Läufe in Frankreich angeht (Belgien und französische Schweiz sind auch noch mit dabei; zumindest für die Schweiz eher nicht zu empfehlen, es fehlt zu viel). Im Internet ist der Kalender auf der Seite http://www.jogging-international.net/courses/calendrier zu finden. Suche nach Schlüsselwörtern, Zeitraum, Region und Art der Laufveranstaltung.

Eine andere große Laufzeitschrift, VO2 hat ebenfalls Läufe in einem Kalender gelistet: http://www.vo2.fr/courses-a-pied.html

Speziell Trails, also Naturläufe findet ihr unter: http://www.runningtrail.fr/pages/calendrier.php

Ganz ähnlich auch http://www.le-sportif.com/exe_cal/main_calendrier_search.asp oder http://www.calendrier.dusportif.fr/agenda-course-pedestre, beide wieder für alle möglichen Sportarten, nicht nur Läufe.

Diese Liste ist natürlich alles andere als vollzählig und soll nur einen ersten Anhaltspunkt zum Einstieg geben. Gute Datenbanken gibt es natürlich auch in deutscher Sprache, hier sei nur das Verzeichnis der DUV für alle Ultraläufe genannt, in dem ich zum Beispiel nach Frankreich selektieren kann: http://statistik.d-u-v.org/calendar.php.

Mein Tipp

Ich persönlich habe in der Regel den gedruckten Kalender von Jogging International, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Außerdem findet man beim Blättern auch manchmal Läufe, die man nicht unbedingt suchen würde. Dementsprechend würde ich auch im Internet meine Suche bei Jogging International beginnen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Noch eins: Wenn ihr in einem der Webportale fündig geworden seid, solltet ihr vor allem bei kleineren Veranstaltungen vorher nochmal vor Ort nachfragen, ob der Lauf auch wirklich durchgeführt wird (zum Beispiel Fremdenverkehrsbüro). Die Daten werden nämlich in der Regel sehr lange im Voraus redaktionell bearbeitet.

Laufen im Sommerurlaub: Raid Golfe du Morbihan, Bretagne

Heute geht’s in die –zu Recht – so beliebte Bretagne: Sonne, Meer, lecker Fisch und Meeresfrüchte, Hinkelsteine, herrliche Küsten, na gut, ab und zu oder auch mal öfter Regen und Sturm, soll ja hier keine Tourismuswerbung werden. Und Ende Juni dann ein Lauf um „eine der schönsten Buchten der Welt“. So sagt es der Veranstalter und ich gebe ihm hier einfach mal recht. Punkt.

Der Weg um die ganze Bucht ist ein langer: 177 km (Grand Raid, non-stop in maximal 42 Stunden), aber zum Glück gibt es auch noch kürzere Distanzen: den Raid mit 87 km (max. 19 Stunden) und den Trail mit 56 km. Naja – kürzer ist halt auch relativ! Das alles findet 2013 zum 9. Mal statt und zwar am letzten Juniwochenende (28. bis 30. Juni). Damit ist der l‘Ultra Marin, wie der Lauf auch genannt wird, der längste Nonstop-Lauf Frankreichs (nur der Ultra Canal Nantes Brest 2011 war länger, der wurde aber bisher nur einmal organisiert). Unterwegs gibt’s Zeitbarrieren zu beachten, das heißt, wer später dort ankommt, wird aus dem Rennen genommen (sind aber großzügig bemessen).

Seekrank werden beim Laufen? Gibt’s nur hier!

Ziel für alle Läufe ist seit wenigen Jahren die schöne Stadt Vannes und der Grand Raid ist meines Wissens auch der einzige Lauf, bei dem man seekrank werden kann: Da die Bucht zum Meer hin nicht geschlossen ist, organisiert der Veranstalter Schlauchboote, die die Passage zwischen den beiden gegenüberliegenden Häfen am Buchtausgang mit den Teilnehmern zurücklegen, bevor dann wieder weitergelaufen wird. Schiff ahoi!

Die Laufstrecke selbst folgt meistens einem Wanderweg, der „Tour du Golfe“, dieser Rundweg kann also auch außerhalb der Veranstaltung gelaufen werden, wenn man möchte, dank einer einheitlichen Beschilderung und den Detailkarten vom Conseil Général (Verwaltung des Departments, Karten beim Fremdenverkehrsbüro in Vannes erhältlich) sollte man sich auch nicht verlaufen. Wenn man dann noch über einen privaten Shuttle-Dienst verfügt, wäre die Tour du Golfe auch ideal für eine Laufwoche in Tages-Etappen!

Der Raid (87 km) – Laufen durch die Nacht

Jetzt noch ein paar Infos zum Raid (87 km): Start ist um 17 Uhr und selbst für die Schnellsten heißt das: Stirnlampenpflicht! Die Nacht ist aber zum Glück recht kurz, wir haben ja Ende Juni! Meer + Küste  = flache Laufstrecke ? Denkste! Wir sind hier an einer Granitküste und die ist niemals flach. Es geht also immer wieder rauf und runter (Treppen 😉 ), über Wurzeln, Strand und Kiesel, bei Sturm vielleicht auch mal durchs Meer? Für den Grand Raid werden daher insgesamt auch über 1000 Höhenmeter angegeben, für den Raid sind’s vielleicht die Hälfte. Die Strecke selbst bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die Bucht. Persönlich hat mir die Stimmung zum Sonnenaufgang am Morgen am besten gefallen, auch wenn ich da schon sehr müde war.

Noch ein praktische Infos zum l‘Ultramarin

Die Anmeldung erfolgt ausschließlich online (leider alles nur in französischer Sprache) und zur Zahlung ist eine Kreditkarte erforderlich (gesicherte Verbindung). Das notwendige ärztliche Attest kann als Datei übermittelt werden. Anmeldung bis 31. Mai, Teilnehmerzahl ist allerdings beschränkt, eure Wunschdistanz könnte also schon vorher voll sein. Bustransfers zum Start. Es gibt 4 (177 km) bzw. 2 (87 km) Quali-Punkte für den Ultra-Trail du Montblanc.

Selbst gelaufen 2009 in 13 Stunden 11 Minuten (87 km); Strecke inzwischen komplett geändert (andere Hälfte der Bucht); ich komme wieder!

Tipp: Eine zweite Lampe (in der Hand) hat mir gute Dienste erwiesen, nachts sind die Markierungen nicht immer leicht zu entdecken und nicht immer ist jemand vor dir, dem du folgen kannst. Achte auch darauf, alles dabeizuhaben, was der Veranstalter vorgibt, es werden Stichproben gemacht und es drohen Zeitstrafen bei Nichtbeachtung.

Alle Infos und schöne Fotogalerie (auch vom Schlauchboot-Shuttle) gibt es hier: http://www.raid-golfe-morbihan.org/

L'ultramarin - Raid Golfe du Morbihan- Blick auf den Golf

L’ultramarin – Raid Golfe du Morbihan- Blick auf den Golf