Laufen auf dem Jakobsweg Teil 5 – Von Estaing nach Conques (36 Km)

Laufen auf dem Jakobsweg Teil 5 – Von Estaing nach Conques (36 Km)

Durch das Aveyron

Schlussakkord in der Rouergue

Erstmals werden wir heute Morgen nicht dem Jakobsweg, also dem GR 65, folgen, sondern eine Alternativroute nehmen und zwar den GR 6, der dann nach 19,5 Kilometern wieder mit dem Jakobsweg zusammentrifft. Grund dafür ist, dass der GR 65 in diesem Abschnitt sehr viel auf kleinen Straßen verläuft und der GR 6 reizvoller sein soll. Auch dieser Weg ist gut markiert, dennoch merkt man an dem dichten Bewuchs, der in die Wege hineinragt , dass sie weit weniger begangen sind, als der Hauptweg.

Estaing-Conques

Ein hübsches Steinhaus bei Campuac

Nach steilem Anstieg erwartet uns eine Abfolge von hübschen kleinen Dörfern in der Landschaft der Haut-Rouergue: Campuac, Espeyrac, Sénergues um nur einige zu nennen. Die Höhen erreichen hier immerhin auch noch 650 Meter über dem Meer, so dass heute insgesamt auch noch einmal 868 positive Höhenmeter auf dem Programm stehen.

Campuac

Kirchplatz in Campuac

Die meisten lassen es heute ruhig angehen, denn in Conques ist ja unser letztes Ziel erreicht und die Rückfahrt nach Le Puy ist erst für den nächsten Morgen geplant.

Campagnac

Ein schneller Kilometer!

Conques

Conques – Unser Zielort ist wieder eines der schönsten Dörfer Frankreichs und wenn man eine Rangfolge innerhalb dieser schönsten Orte machen würde, wäre Conques sicher nochmal ganz vorne dabei. Allerdings bleibt uns der Ort bis zuletzt verborgen. Die letzten beiden Kilometer geht es steil durch dichten Laubwald bergab und dieser gibt den Blick auf Conques nur unwillig preis. So ist der Ort erst am Ortsrand in seiner ganzen Pracht zu sehen: im Mittelpunkt die Kathedrale Sainte-Foy mit ihrem Tympanon, einem Meisterwerk der Romanik: lange kann man die zahlreichen Figuren, die das Jüngste Gericht darstellen bewundern, ohne dass man wirklich alle Details gesehen hat. Darum herum drängen sich die mittelalterlichen Häuser, die in engen und steilen Gassen am Hang liegen.

Conques

Ankunft in Conques

Conques

Abbatiale Sainte-Foy und mittelalterliche Häuser in Conques

Conques

Abbatiale Sainte Foy mit dem berühmten Tympanon

Doch zunächst gilt unser Blick unserem Transportfahrzeug, dass auf dem Platz Erfrischungen für uns bereithält. Eine letzte Anstrengung ist dann noch der Weg ins Gite, eines der letzten Häuser oben am Hang.

Jetzt heißt es erst einmal duschen und ausruhen, bevor ein kleiner Ortsrundgang auf dem Plan steht und zum gemeinsamen Abendessen – heute im Restaurant – ist noch viel Zeit.

Conques

208 Kilometer sind geschafft – Olivier und ich im „Ziel“

Fazit

Eine Laufreise, die viel Spaß gemacht hat, aber vor allem wegen des heißen Wetters genau an den fünf Lauftagen sehr, sehr anstrengend war. Es war schön, viele Lauffreunde aus dem vergangenen Jahr wiederzusehen und neue Gleichgesinnte zu treffen. Die Gruppe hat auch prima zusammengepasst.

In den vergangenen Tagen sind wir in eine eigene Welt eingetaucht und es fällt schwer, diesen Rhythmus, die Freunde und dieses ganz banale „einen Fuß vor den anderen setzen“ wieder gegen die „normale“ Welt einzutauschen, die uns morgen wieder erwartet.

Conques

Warten auf den Apero!

Conques

Zielfoto mit allen Teilnehmern in Conques

Links

Fremdenverkehrsbüro in Conques: Conques

Für den sehr beliebten Abschnitt des Jakobswegs von Le-Puy nach Conques gibt es eine eigene Webseite zur Planung: http://www.lepuyconques.com/ (auch als App)

Infos zu dem Anbieter, mit dem ich unterwegs war (Aventuraid) : http://courses.free.fr/compostelle/

Gelaufen am 8. Juni 2015, 36 Kilometer, Höhendifferenz 868 Meter positiv und 859 Meter negativ, in 7:02 Stunden. Wetter: sonnig bis 31 °C.

 

Laufen auf dem Jakobsweg Teil 3 – Von Le Sauvage nach Nasbinals (55 Km)

Laufen auf dem Jakobsweg Teil 3 – Von Le Sauvage nach Nasbinals (55 Km)

Von der Margeride in das Aubrac

Bevor es los geht –das Briefing

Manch einer, der bisher nur bei Veranstaltungen gelaufen ist, bei denen alles markiert ist, mag sich fragen, wie wir immer unseren Weg finden. Hier die Antwort: Vor jeder Etappe (in der Regel vor oder nach dem Abendessen) verteilt der Veranstalter Farbkopien mit detaillierten Kartenausschnitten. Auf diesen sind ebenfalls ein genaues Höhenprofil sowie die Angabe der einzelnen Kilometerpunkte. Zusätzlich gibt es kurze Beschreibungen von Punkten, an denen Zweifel bestehen können, der Weg nicht so gut markiert ist und und und… Außerdem fehlen auch nicht Hinweise und Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten: Damit auch keiner achtlos daran vorbeiläuft, waren auch ein paar Fragen dazu eingebaut, die man nur beantworten konnte, wenn man einen kleinen Umweg in Kauf nahm. Und ganz wichtig bei der Hitze Anfang Juni: der Hinweis auf öffentlich zugängliche Wasserstellen, wenn diese nicht offensichtlich am Weg liegen! Über die Karten wird dann kurz diskutiert –und am nächsten Tag kann’s losgehen.

Margeride

Zur Abwechslung ein Stück Straße – D587 kurz vor St. Roch – früh gegen sieben Uhr herrschen noch optimale Laufbedingungen

Weiß-rot-weiß

Zusätzlich zu unseren Karten gibt es natürlich noch die Wegmarkierung des GR 65 (GR für Grande Randonnée, also Fernwanderweg). Zwischen Le Puy und Conques ist der Weg wirklich sehr gut markiert (besser als im letzten Jahr in Südwestfrankreich), Winkel nach rechts oder links in der Markierung zeigen Richtungsänderungen kurz im Voraus an. Aber trotz allem, es gibt immer Spezialisten, die es trotzdem schaffen, vom Weg abzukommen. In diesem Fall gilt es, einen unserer zwei Begleiter anzurufen, und um Hilfe zu bitten…. Wenn du das Glück hast und ein Netz vorhanden ist! Wir sind schließlich „dans la France profonde“.

Margeride

Blick über die Margeride – Im Vordergrund der Weiler Le Rouget

Eine lange Etappe

Heute ist der Start unserer Gruppe schon um 6.30 Uhr, also kein Urlaub für Langschläfer, es stehen aber auch 55 Kilometer auf dem Programm! Wir setzen die Durchquerung der Margeride fort: Weiden und Wälder im Wechsel, nur wenige Dörfer liegen auf unserem Weg. Also Gelegenheit nutzen und rein zum Bäcker! Eine leckere Fougasse lacht mich an (dachte ich), aber ich muss lernen, dass hier eine Fougasse ein süßes Hefegebäck bezeichnet und nicht den salzigen Kuchen, den ich mir ausgesucht hatte. Man lernt nie aus. Dann gibt es halt eine kleine Pizza zum zweiten Frühstück.

Margeride

Kirche in St. Alban-sur-Limagnole

Le Puy Conques

Frühstückspause in St.-Alban-sur-Limagnole

Inzwischen haben wir auch das Departement und sogar die Region gewechselt: Wir sind jetzt in Südfrankreich, in der Region Langedoc-Roussillon im Departement Lozère, sicher das untypischste Departement dieser Region und eines der dünnstbesiedelsten in Frankreich.

Margeride

Die Margeride – jetzt im Departement Lozère in der Region Languedoc-Roussillon

Die Mittagspause ist heute in einem Gemeindesaal neben der Kirche in Aumont-Aubrac, der auch Pilgern immer offen steht und im Innern Abkühlung bietet und Erfrischungen bereithält. Man meint es hier sehr gut mit den Pilgern (und uns, wobei wir natürlich eigene Gruppenverpflegung dabei haben)!

Margeride - Aubrac

Single Trail bei Les Quatre Chemins am Übergang Margeride – Aubrac

Zwischenstopp bei Kilometer 39

Zwischenstopp bei Kilometer 39

Margeride - Aubrac

Der Wald lichtet sich – Wir kommen von der Margeride ins Aubrac

Im Aubrac

Bei Kilometer 39 ist dann die nächste Landschaft erreicht: das Aubrac. Ähnlich hoch gelegen wie die Margeride – zwischen 1000 und 1500 Metern – wird der Unterschied zwischen beiden schnell klar: auf dem Aubrac gibt es keinen Wald mehr! Nur noch von Steinmauern getrennte Weiden, die von Bachläufen und kleinen Mooren durchsetzt sind, soweit das Auge reicht. Zum Glück gibt es vorher noch einen Verpflegungsstopp bei einer Bar, um die Flüssigkeitsreserven aufzufüllen. Es ist eindeutig: wir sind wirklich auf dem Land, die Hühner laufen durch die Bar und picken die Brosamen der letzten Gäste auf und die Wirtin hat sicher schon zu Zeiten der Präsidentschaft Mitterands das Rentenalter erreicht.

Aubrac

Auf der Hochfläche das Aubrac

Die robuste Rinderrasse Aubrac mit ihren eindrucksvollen, geschwungenen Hörnern

Die robuste Rinderrasse Aubrac mit ihren eindrucksvollen, geschwungenen Hörnern

Juhuu – Wolken

Eine gute Nachricht – der Himmel bewölkt sich und in der Ferne beginnen sich, Gewitterwolken aufzubauen. Der Nachmittag im Aubrac verspricht nicht so gnadenlos heiß zu werden, wie uns das am Vorabend angekündigt wurde. Prima!

Wenige Pilger und viele Aubrac-Rinder sind unsere Zeugen, wie wir über die Hochflächen laufen. Höfe und Dörfer sind nun noch seltener als in der Margeride. Eine phantastische Landschaft! Weite Horizonte, nur vereinzelte Höhenzüge verstellen eine quasi unendliche Sicht. Der Wanderer oder Läufer schrumpft irgendwie zusammen in dieser unwirtlichen Gegend. Gleichzeitig werden aber auch die Kilometer jetzt immer länger und so bietet eine Auberge in Montgros eine willkommene Pause, obwohl es nur noch drei Kilometer bis zum Ziel sind.

Aubrac

Typisch Aubrac: sanfte Hügel, durch Bachläufe durchzogene und durch Mauern getrennte Weideflächen

Nasbinals – woanders wäre Nasbinals ein winziger Ort, hier ist es ein richtiges Zentrum auf der Hochfläche des Aubrac, und das mit seinen gerade einmal 500 Einwohnern. Unsere kleine Dreiergruppe entkommt gerade noch dem Gewitter, bevor wir endlich unsere Gite erreichen. Ein langer Lauftag liegt hinter uns!

Nasbinals, Ziel der 3. Etappe

Ankunft in Nasbinals – Die drohende Kulisse im Hintergrund verheißt nichts Gutes

Unterkunft und Verpflegung

Ein paar Worte noch zu den Gites an den Etappenzielen. Diese einfachen Unterkünfte sind voll auf die Belange der Wanderer und Pilger zugeschnitten. Neben großen bis sehr großen Schlafsälen, stehen meist auch kleinere Zimmer (2-4 Personen) zur Verfügung. Beim Essen hat man oft die Wahl zwischen Küchenbenutzung zur Selbstverpflegung oder einem servierten Abendessen (3 oder 4 Gänge, versteht sich!).

Inklusive des Abendessens liegen viele Gites vom Budget her um die 30 €, ohne bei etwa 20 €. Mittags findet man ein einfaches „Menu pélérin“ um die 10 €, bei schönem Wetter bietet sich natürlich Picknicken an, alles dafür findet man in Bäckereien und kleinen Geschäften („superettes“) in den Ortschaften.

Links

Mehr über das Aubrac: Tourismus im Aubrac

Für den sehr beliebten Abschnitt des Jakobswegs von Le-Puy nach Conques gibt es eine eigene Webseite zur Planung: http://www.lepuyconques.com/ (auch als App)

Infos zu dem Anbieter, mit dem ich unterwegs war (Aventuraid) : http://courses.free.fr/compostelle/

Gelaufen am 6. Juni 2015: 55 Kilometer, Höhendifferenz 986 Meter positiv und 1103 Meter negativ, in 10:08 Stunden. Wetter: früh sonnig, Mittag bis 31 °C, ab Nachmittag Wolken (yuuhpeeeh!!!)