Cahors – Eauze auf dem Jakobsweg (4 Tage – 185 Km), Etappe 3

Cahors – Eauze auf dem Jakobsweg (4 Tage – 185 Km), Etappe 3

St. Antoine – Condom, 50 Km

Der Start ist heute Morgen direkt an unserer Herberge in St. Antoine. Nach einer Nacht im Schlafsaal und in einem Bett mit Hängemattenqualität könnte man entspannter und ausgeruhter sein. Aber Pilgern ist halt kein Sterne-Urlaub!

Dafür ist es ausgesprochen ruhig heute, kaum Verkehr auf den kleinen Landstraßen, kein Wunder, es ist Sonntag! Auch wenn wir uns auf der Hauptachse des Jakobswegs befinden, der Via Podiensis, die von Le-Puy-en-Velay nach Saint-Jean-Pied-de-Port im französischen Baskenland verläuft, muss man festhalten, dass die Beschaffenheit der Wege nicht immer gut ist. Nach starken Regenfällen in den ersten Monaten des Jahres, sind viele Wege durch die schweren Landwirtschaftsmaschinen doch sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie laden daher wenig zum Pilgern und noch viel weniger zum Laufen ein.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Heute standen viele Wiesenwege und schlechteres auf dem Programm

Das war vor allem heute auf der dritten Etappe so. So wird die Ankunftszeit nur wenig (in meinem Fall 10 Minuten) unter der gestrigen Zeit liegen, obwohl die Strecke doch 6 Kilometer kürzer ist. Aber zum Glück gibt es auch immer wieder Passagen auf kleinen Straßen, die das Vorwärtskommen erleichtern. Bei Kilometer 9 kommen wir an einer Bäckerei vorbei und eine leckere Apfeltasche spendet Zusatzkalorien.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Kirche in Miradoux, kurz danach dann eine Bäckerei fürs zweite Frühstück

Unser Mittagsziel nach 24 Kilometern ist heute Lectoure, eine bedeutende Pilgeretappe in der Gascogne. Wir laufen durch die Gassen des historischen Zentrums, eine Besichtigung des ehemaligen Doms muss leider entfallen. Es ist ja Sonntag und jetzt kurz vor Mittag ist noch Gottesdienst.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Sonntagmittag vor der Kathedrale in Lectoure

Aber wir haben schon unser nächstes Ziel vor Augen, bei Kilometer 28 gibt es eine Verpflegungsstelle mit Mittagessen. Zusätzlich zur Verpflegung an den anderen Stellen, gibt es Nudel- oder Linsensalate, die den Energievorrat wieder auffüllen.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Kurz vor der Mittagspause in Pagnoulet: die ersten Läufer, die eine Stunde nach uns gestartet sind, haben uns eingeholt

Weiter geht auf schwierigen wegen durch die Hügel der Gascogne. Im Schnitt haben sich auf den ersten drei Etappen pro Tag etwa 900 positive Höhenmeter hinzugesellt. Südwest-Frankreich ist also durchaus recht hügelig, auch wenn die absoluten Höhenunterschiede nicht groß sind.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Die Kapelle Saint-Germaine auf einer Anhöhe nach einer langen Steigung

 

Es folgt ein kleiner Stop an der Pilgerkapelle Sainte-Germaine, die mit einer sehr geschätzten Wasserstelle ausgestattet ist, denn der Anstieg zuvor war lang. Danach sorgt die Wasserfläche des Lac de Bousquetara für Abwechslung.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Lac de Bousquetara vor Condom

 

Jetzt noch 3 Kilometer, meist bergab und unsere nächste Station, ein Reiterhof vor den Toren Condoms ist erreicht.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Herzlich willkommen Francis! – sonst war er vor mir da, hatte heute aber einige Zusatzkilometer gesammelt

Ausruhen, Duschen, die Sachen für den nächsten Tag vorbereiten und dann gibt’s zur Überraschung einen Apéro. Jean-Jacques spendiert für unseren letzten Abend eine Flasche Floc de Gascogne, einem typischen Aperitiv der Region aus Traubenmost und Armagnac. Und Benoît, unser belgischer Freund, wartet mit einer Flasche Pastis auf. Santé !

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Unser Ziel für heute, Reiterhof bei Condom

Advertisements
Cahors – Eauze auf dem Jakobsweg (4 Tage – 185 Km), Etappe 2

Cahors – Eauze auf dem Jakobsweg (4 Tage – 185 Km), Etappe 2

Lauzerte – St. Antoine, 56 Kilometer

Der Wecker schellt früh heute Morgen. Heute, wie auch an den folgenden Tagen, wird in zwei Gruppen mit einer Stunde Zeitdifferenz gestartet, um die doch sehr unterschiedlichen Niveaus auszugleichen. Auf der gestrigen Strecke gab es genau zwei Stunden zwischen der ersten Ankunft nach 5 Stunden 12 Minuten und den letzten im Ziel, wobei hier einige Extrakilometer gelaufen wurden. Keine Frage, ich bin natürlich bei denen, die immer als erstes aufstehen müssen!

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Bild von Lauzerte nach Südwesten; wir queren das Tal und dann geht es den Hang wieder hinauf

Königsetappe

Heute auf dem Programm: die Königsetappe nach St. Antoine mit 56 Kilometern. Etwa alle 15 Kilometer wird es einen Verpflegungspunkt geben, der keine Wünsche offenlässt. Neben Obst, Trockenfrüchten und Nüssen, gibt es Kekse, aber auch Brot, Wurst und Käse. Die beiden letzteren sind exzellent und stammen übrigens aus dem Departement Haute-Savoie, dem Wohnort unseres Veranstalters (Annecy). Ab Mittag habe ich auch sehr genossen, dass sich unter den Getränken auch immer Bier befand (ihr kennt vielleicht die kleinen französischen Flaschen à 0.25 Liter). Ist ja schließlich isotonisch!

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Alles blüht! – Obstbäume, Raps und hier eine Glyzinie an einer alten Scheune

Startschuss

Der „Startschuss“ ist heute auf dem zentralen Platz von Lauzerte, auf dem sich vor uns schon die ersten Händler eingefunden haben, es ist Markttag. Von dort geht es gleich steil von unserem Kalkplateau etwa 120 Höhenmeter nach unten, um – man kann es sich denken – gleich wieder auf die nächste Hochfläche anzusteigen. Bis Kilometer 25 wird uns diese Landschaft des Quercy noch begleiten.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Zeit für Kultur: Portal in Moissac – eines der Hauptwerke der europäischen Skulptur der Romanik

Dann ändert sich bei Moissac der Charakter grundlegend. In Moissac lassen wir uns natürlich auch ein wenig Zeit für eine Besichtigung, findet sich hier am ehemaligen Kloster im Stadtzentrum doch eines der bedeutendsten romanischen Kirchenportale Frankreichs. Anschließend folgt unser Weg etwa 16 Km dem Seitenkanal der Garonne.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Rad-/Fußweg am Garonne-Seitenkanal

Der Weg verläuft auf der Route des Fernradwegs Atlantik-Mittelmeer und immer wieder kann man in der Ferne die hohen Kühltürme des Kernkraftwerks Golfech erkennen. Mittlerweile haben uns auch die ersten Läufer der zweiten Startgruppe eingeholt. Nach einigen Minuten, die wir zusammen gelaufen sind, nehmen sie ihr Tempo wieder auf und wir werden sie an unserer Unterkunft wieder sehen.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Französische Romantik – Rapsfeld mit Kernkraftwerk (Golfech)

Und noch eins: Les plus beaux villages de France

Bei Kilometer 44 verlassen wir den Kanal und queren den weiten Talgrund der Garonne. Mit Auvillar erwartet uns wieder eines der schönsten Dörfer Frankreichs, allerdings kann man die schöne Aussicht über das Flusstal erst nach einem steilen Anstieg genießen. Wieder lassen wir uns etwas Zeit, um den schönen Marktplatz zu fotografieren und die Kirche St. Pierre zu besichtigen.

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Der ehemalige Hafen von Auvillar – heute ein beschaulicher Ortsteil

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Marktplatz in Auvillar am Jakobsweg (Via Podiensis)

Wir kommen in die Gascogne

Vor uns liegt nun die fruchtbare Hügellandschaft der Gascogne, auch hier wieder ein Gegensatz zu den kargen Plateaus von heute Morgen und der breiten Talaue vom Mittag. Ab dem Nachmittag verziehen sich die Wolken und machen der Sonne Platz. Zum Glück erreichen wir bald darauf unsere Pilgerherberge und können die Sonnenstahlen in einem schönen Innenhof und einem kühlen Ankunftsbier genießen. Prosit!

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Stadttor in St. Antoine

Nachtrag: Die Trailschuhe vom ersten Tag hatte ich heute gegen Straßenschuhe eingetauscht, da uns die heutige Etappe viel über kleine Straßen und gute Wege geführt hat. Morgen dann wieder Schuhtausch, da viele Trailpassagen zu erwarten sind.

Nach dem gemeinsamen Abendessen geht’s bald ins Bett, um 7:30 Uhr geht es morgen früh auf die dritte Etappe nach Condom. Fortsetzung demnächst hier bei LaufeninFrankreich!

Cahors -Eauze, courir sur les chemins de Compostelle

Am Ziel – Innenhof im Gîte in St. Antoine