Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss – La Loire Intégrale

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss – La Loire Intégrale

Frankreich ist ein Paradies für Langstreckenläufer. Die Auswahl an langen, sehr langen und noch längeren Läufen ist gerade im Sommer schon enorm. Hier eine der Möglichkeiten, in Frankreich einen Aktivurlaub der besonderen Art zu verbringen: La Loire Intégrale.

1023 Kilometer und 17 Etappen

Wie der Name schon sagt, folgt der Lauf der Loire und zwar von der Quelle bis zur Mündung. Und die Loire ist lang, sehr lang sogar, nämlich – so zeigt zumindest ein Blick in Wikipedia – 1004 Kilometer. Nachdem die Wege auch mal einen kleinen Umweg machen, ergibt die Laufstrecke sogar 1023 Kilometer, die in 17 Etappen zwischen 50 und 75 Kilometern zurückgelegt werden, übernachtet wird auf Campingplätzen, die an der Loire reichlich vorhanden sind, ein paar Mal auch in Turnhallen. Die Teilnehmer der Loire Intégrale folgen Straßen, Radwegen und Treidelpfaden. Der Lauf hat ausdrücklich keinen Wettkampfcharakter und aus Gründen der Gleichheit sind Begleitpersonen, zum Beispiel auf dem Fahrrad nicht zugelassen. Gestartet wurde heute morgen, am 5. August 2015.

Klar ist auch, dass Läufe über solche extremen Distanzen keine Massenveranstaltungen. sind. Ganze 25 Teilnehmer waren das ausgeschriebene Maximum und deren 20 standen am Vortag (4.8.15) in der Teilnehmerliste, darunter auch 3 TeilnehmerInnen aus Deutschland.

Ich drücke allen die Daumen, dass sie gesund am Atlantik ankommen.

Und weil die Loire wirklich ein langer, ruhiger aber auch sehr schöner Fluss ist, unten noch ein paar Bilder zur Einstimmung.

Interessant ist übrigens die Antwort auf die Frage, in welchem Département die Loire entspringt. Es ist nicht, wie man meinen könnte das Département Haute-Loire (43), sondern – Überraschung! – das Département Ardèche (07). Die namensgebende Ardèche ist ja ein, besonders bei den Wassersportlern beliebter, Rhonezufluss. Aber hier, an einem Berg namens Gerbier de Jonc (1551m), befindet sich auch die Quelle der Loire.

Alle Infos zum Lauf: http://www.loireintegrale.fr

(Achtung: Läufe wie dieser werden nicht unbedingt regelmäßig, das heißt jährlich durchgeführt, deshalb rechtzeitig informieren und am besten mit den Organisatoren direkt Kontakt aufnehmen.)

Loire-Impressionen

La Loire Intégrale

Die berühmte Brücke „Pont Canal“ in Digoin im Department Allier (fertiggestellt 1838) – hier führt der Canal du Centre über die Loire

La Loire Intégrale

Blois – die Stadt im Department Loir-et-Cher ist immer eine Reise wert

La Loire Intégrale

Die Loire bei Bréhémont – eine wirklich schöne Uferpromenade in dem kleinen Ort unweit des Schlosses Villandry

La Loire Intégrale

Am Zusammenfluss von Vienne und Loire in Candes-St. Martin, einem der schönsten Dörfer Frankreichs

La Loire Intégrale

Flussidyll mit Kühen und Boot bei Montjean-sur-Loire (die Kühe stehen auf einer Landzunge einer Loire-Insel rechts vom Bild)

La Loire Intégrale

Sicher nicht mehr der schönste Teil der Loire, aber ganz kurz vor dem Ziel – Fischerhütten bei Ebbe vor der Brücke von Saint Nazaire

 

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Eiger Ultra Trail 2015

Eiger Ultra Trail 2015

Ok, der Eiger ist nun definitiv nicht in Frankreich, aber diese jährlichen Ausflüge in die Schweiz bekommen bei mir langsam Tradition. Der Hunderter in Biel 2011, der SwissAlpin in Davos 2012, La Traversée in Verbier im Jahr 2014 und diesmal also Grindelwald am 18. Juli 2015. Vielleicht ist es ja das Leben in Frankreich, das die Sehnsucht nach der geordneten und beschaulichen Schweiz hervorruft, wer weiß!

E51 – Der Panoramatrail

Wie im Vorjahr in Verbier hatte ich mich wieder für die Mitteldistanz entschieden, in diesem Fall für den sogenannten Panoramatrail oder auch E51 mit , man kann es sich denken, 51 Kilometern und insgesamt 3100 positiven (und negativen) Höhenmetern. Die lange Strecke hat 101 Kilometer und ist mit +6700 Metern doch eine gewaltige Herausforderung und hätte bei meinem Tempo einen Lauf durch die ganze Nacht bedeutet. Der kürzere E16 komplettiert das Programm.

EigerUltraTrail

Der Tag vor dem Start: Die Startnummer ist abgeholt, das Pflichtmaterial kontrolliert – es kann losgehen!

Sehr warm – auch in den Bergen

An den Tagen vor dem Lauf war ungewöhnlich warmes Bergwetter, so dass der Start auch um eine Stunde auf sechs Uhr morgens vorverlegt wurde. Erwartungsgemäß war alles bestens organisiert, die Startnummernausgabe schnell erledigt und ein obligatorisches Briefing am Vorabend gab die passende Einstimmung sowie letzten Sicherheitshinweise und Wetterprognosen für den Lauftag.

EigerUltraTrail

Der Start- und Zielbereich mit dem Eiger im Hintergrund

Die ersten neun Kilometer führen von Grindelwald etwa neunhundert Höhenmeter hinauf auf die Große Scheidegg, Almwiesen wechseln mit Wäldern und schnell werden aus den breiten Wegen Singletrails, die sich den Berg hinaufwinden.

EigerUltraTrail

Das erste Zwischenziel ist nach neun Kilometern Aufstieg erreicht: die Große Scheidegg

Recht erholsam geht es dann hinüber auf den First, die spektakuläre Nordwand des Eigers immer zur Linken fest im Blick.

EigerUltraTrail

Ein erholsamer Abschnitt: von der Großen Scheidegg zum First

EigerUltraTrail

Verpflegungspunkt am First (insgesamt sieben)

EigerUltraTrail

Aufstieg nach dem Verpflegungspunkt First zum Bachalpsee

Vom Bachalpsee ist das Faulhorn, mit 2680 Metern der höchste Punkt des Panoramatrails dann schon in Sicht, aber unsere Wegführung ist eine andere und führt uns über die Südflanke des Reeti zunächst hinauf und dann weit bergab zum Oberläger bzw. zur Bussalp.

EigerUltraTrail

Ein Bergidyll vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau – der Bachalpsee

EigerUltraTrail

Nochmal auftanken, bevor es nach oben geht: Oberläger/Bussalp

Hier ist wieder einer der zahlreichen Verpflegungspunkte bevor dann das schwerste Teilstück steil hinauf auf das Faulhorn erwartet. Zum Glück (für den Läufer) bleibt der Himmel bedeckt und die Temperaturen deutlich unter den vorhergesagten Höchstwerten. Kurz vor dem Gipfel wird es dann sogar empfindlich kühl und es regnet sogar im Gipfelbereich.

EigerUltraTrail

700 Höhenmeter im Anstieg, das Ziel immer vor Augen – das Faulhorn.

Also schnell wieder hinunter! Die Landschaft wechselt jetzt komplett das Bild. Dominierten vorher grünbewachsene Hänge und Almwiesen, wird das Gelände jetzt steinig und karstig, leichter Blockschutt ersetzt die bislang doch recht guten Bergpfade.

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Im Rückblick – das Faulhorn, 2680 m. Woher der Name wohl kommt? Wer faul ist, kommt nicht hoch oder wie?

EigerUltraTrail

Landschaftlich ein Traum – zum Laufen eher weniger – das Saegistal zwischen Faulhorn und Schynige Platte

Wirklich spektakulär!

Dafür werden wir jetzt mit fantastischen Ausblicken hinunter auf Interlaken sowie den Thuner und den Brienzer See belohnt – fast ebenso spektakulär wie zuvor der Blick auf die senkrecht abfallenden Wände des Eiger – der Panoramatrail hat seinen Namen wirklich verdient! Dies bleibt auch so, bis wir den beliebten Ausflugsberg, die Schynige Platte bei Kilometer 35 erreichen.

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Vorne Blockschutt und Schneereste, ganz unten der Brienzer See

EigerUltraTrail

Trägt den Namen zurecht: der Panoramatrail, hier der Blick vom Trail auf Interlaken und den Thuner See

Dann steht der lange Abstieg nach Burglauenen an: über 1000 Meter geht es oft steil hinab nach Burglauenen, viele Steine und vor allem Wurzeln machen das Laufen nicht gerade flüssig, zudem verziehen sich jetzt am Nachmittag die Wolken und es wird unangenehm heiß. Ein knackiger Gegenanstieg kommt dann auch noch hinzu.

EigerUltraTrail

Der steile Abstieg nach Burglauenen – hier ein bequemer Teil über eine frisch gemähte Bergwiese – im Hintergrund schon Grindelwald, das Ziel

In Burglauenen gibt es noch einmal einen Verpflegungspunkt und wer hier ankommt, hat das Ziel „gefühlt“ schon erreicht. Für die Läufer des E101 dagegen, geht es jetzt in den zweiten Streckenabschnitt steil hinauf bis auf den Gipfel des Männlichen.

Die letzten sieben Kilometer des E51 bleiben auf breiten Wegen oder schmalen Straßen und lassen sich „leicht“ laufen. Nur der Schlussanstieg von Grindelwald Grund zum Zielgelände an der Sporthalle hat es dann noch einmal in sich. Aber in der Hauptstraße gibt es zum Lohn noch einmal die Anfeuerung der Zuschauer.

EigerUltraTrail

Am Tag danach mit meinem Lauffreund Laurent aus Belgien, Finisher des E101

Gelaufen am 18. Juli 2015 in 11:50:37, das selbstgesteckte Ziel von 12 Stunden war damit erreicht! Natürlich geht es auch schneller: der Sieger des E101 brauchte nur sensationelle 11:44 Stunden und der beste Läufer des E51 war nach 5:22 Stunden wieder in Grindelwald, aber die beiden haben bestimmt unterwegs keine Fotos gemacht!

EigerUltraTrail

Brauchtumseinlage der Grindelwalder Trychler mit ihren riesigen Kuhglocken vor der Siegerehrung

Der Vollständigkeit halber: der E101 wurde dann am Abend wegen starker Gewitter für 2 Stunden unterbrochen (zumindest für die Läufer, die einen Kontrollpunkt erreichten) und dann auf (teils verkürzter) Strecke wieder aufgenommen. Eine gute Entscheidung der Organisation!

Fazit: Der Eiger Ultra Trail ist sicher landschaftlich und von der Streckenführung her, einer der schönsten Bergtrails der Alpen. Außerdem bietet Grindelwald viele Möglichkeiten, den Aufenthalt zu verlängern. Ein großer Wermutstropfen ist natürlich der aktuelle Wechselkurs des Schweizer Franken. Aber trotzdem gerne wieder!

 

 

 

 

 

Tour de France – zu Fuß!!!

Tour de France – zu Fuß!!!

Tour de France Footrace 2015

Passend zum Start der Tour de France der Radprofis möchte ich eine andere, weniger bekannte, Tour de France kurz vorstellen: Das Tour de France Footrace 2015. Dieses Rennen hat bereits am 28. Juni 2015 begonnen und wird noch bis 9. August dauern, insgesamt also 43 Etappen lang sein. Während sich die Radprofis ja immer wieder Ruhetage gönnen, ist für die Laufamateure hingegen jeder der 43 Tage auch ein Wettkampftag.

Bis zum Eiffelturm

Gestartet wurde in Paris (wo sonst?) am sogenannten „Point Zero“ auf dem Vorplatz von Notre-Dame und dann geht es im Uhrzeigersinn einmal rund um Frankreich, insgesamt 2800 Kilometer. Die Etappenlänge variiert zwischen 38 und 89 Kilometern, im Durchschnitt circa 65 Kilometer. Gelaufen wird auf kleinen Straßen und Wegen. Ziel wird dann – auch logisch – am Eiffelturm in Paris sein. Das Teilnehmerfeld wurde auf 40 Einschreibungen limitiert (27 Läufer waren letztendlich gemeldet).

Für diejenigen, denen die Strecke dann doch zu lang ist, gab es auch die Möglichkeit, sich für einzelne Abschnitte einzuschreiben, wie zum Beispiel Paris –Lyon oder Toulouse – Bordeaux.

Miroir d'eau, Place de la Bourse, Bordeaux

Bordeaux – Place de la Bourse – seit 2006 gibt es hier einen riesigen Wasserspiegel

Wer also Frankreich mal ganz genau kennenlernen will und auch bereit ist, die € 3750 Einschreibegebühr (Betrag 2015) zu löhnen, der kann für 2017  ja schon mal das Training starten! Dann ist die nächste Ausgabe geplant. Start wird am Mont St. Michel sein.

Alle Infos: Tour de France Footrace

Mont Saint-Michel

Der Mont Saint-Michel – meistbesuchte Sehenswürdigkeit Frankreichs außerhalb von Paris

Für Freunde langer Trails: www.mountain40.com

Seit 2014 gibt es eine neue Internetadresse für Freunde langer Läufe in der Natur: http://www.mountain40.com.

Französische Trails ab 40 Kilometern Länge werden hier gelistet. Höhenmeter und die Anzahl der Läufer im Ziel sind zusätzliche Informationen, die auf den ersten Blick ersichtlich sind. Die geografische Lage wird allerdings nur durch die Nummer des Departments angegeben, was die Suche für Nichtfranzosen oder Nicht-Frankophile nicht ganz einfach macht: Wo war nochmal die 05???

Dafür gibt es Videos und nützliche Infos zu den Läufen, wie vorgeschriebenes Material, Ausschlusszeiten oder auch die Info, ob Stöcke erlaubt sind oder nicht.

Einfach mal surfen und eine eigene Meinung bilden. Französisch lernen kann man obendrein.

 

Das Festival des Templiers – Bilder und Laufbericht vom Lauf L’Integrale des Causses

Das Festival des Templiers – Bilder und Laufbericht vom Lauf L’Integrale des Causses

Das Event hatte ich hier schon im August vorgestellt: jetzt ganz frisch einige Bilder und ein Erfahrungsbericht vom Wochenende

Spektakuläre Landschaften

Schon bei der Ankunft am Donnerstagabend präsentiert sich die Landschaft spektakulär: die beeindruckenden Kalkplateaus lassen an die Canyonlandschaften der USA und die Zeugenberge des Monument Valley denken, die tiefstehende Sonne taucht die Felsen in ein magisches Licht.

Festival des Templiers

Zeltstadt, im Hintergrund der Hausberg von Millau, am Mast ganz oben vorbei wird es morgen Abend hinunter ins Ziel gehen

Salon du Trail

Die Startnummernausgabe ist in einer Ausstellung „Salon du Trail“ integriert, die diesmal ihren Namen wirklich verdient hat. Über 100 Ausrüster und Veranstalter geben ein umfassendes Bild über die Trailszene. Und als Willkommensgeschenk gibt es zum Glück kein T-Shirt, sondern einen Trail-Wandkalender für 2015 und eigens für die Veranstaltung gestaltete Armlinge und einen Buff. Schön und praktisch!

Festival des Templiers

Über 100 Aussteller, das kann sich sehen lassen!

Zu zweit geht’s leichter

Vom Veranstaltungsgelände transportieren Busse die 350 Starter zum Startort Montuéjouls etwa 20 Fahrminuten von Millau. Alles ist gut organisiert, die Helfer freundlich und engagiert bei der Sache. Unterwegs sehen wir die Läufer des Endurance Trails, die bereits um 4 Uhr gestartet waren. Im Salle des Fêtes in Mostuéjouls erwarten uns Kaffee und vor allem ein Ort, der uns vor der morgendlichen Kälte bei etwa 4 °C schützt. Hier treffe ich auch meine Laufkollegin Laure aus Bordeaux, mit der ich im Frühjahr auf dem Jakobswegs unterwegs war.

Festival des Templiers

Bereit für eine neues Laufabenteuer -zusammen mit Laure aus Bordeaux

Muski und Bengalos begleiten unseren Start in die Dunkelkeit, die uns die erste Stunde noch begleiten sollte.

Tropf, tropf, tropf…

Dazu gesellt sich schnell ein technisches Problem: Offensichtlich war ich mit meinem Laufrucksack etwas unvorsichtig umgegangen und die Wasserblase hat ein Leck erhalten. Langsam tropft das Wasser den Rücken hinab und bahnt sich seinen Weg bis in die Schuhe. Nachdem ich dieses Problem aber schon mal hatte, habe ich seitdem immer ein paar kleine selbstklebende Flicken aus meinem Fahrradzubehör dabei. So konnte die Leckage an der nächsten Verpflegungsstation behoben werden.

Festival des Templiers

Die Landschaft erwacht…

Technisch anspruchsvolle An- und Abstiege

So schön und spektakulär sich die Felslandschaft präsentiert, die Wege sind oft steil und auch ordentlich technisch mit viel Felsen, aber auch unangenehmem Blockschutt, so dass der Blick oft nicht auf die Felsformationen wie aus einem Märchenbuch fallen kann. Die aufgehende Sonne sorgt für herrliche Bilder und lässt fast vergessen, dass das Vorwärtskommen nur sehr langsam ist – schon jetzt am frühen Morgen brauchen wir für 5 Kilometer fast eine Stunde!

Festival des Templiers

Wieder ein echter „WOW“-Moment!

Große Teile der Wegstrecke gehen durch Kiefern- und Eichenwälder, die um diese Jahreszeit ihr schönstes Kleid angelegt haben. In dieser nur spärlich besiedelten Landschaft sind die Ortsdurchquerungen rar gesät, mehr als eine gute Handvoll werden es im Lauf des Tages nicht werden. In diesen kleinen Dörfern scheint die Zeit stehengeblieben.

Festival des Templiers

Nur 4 Verpflegungsstellen gibt es auf der Strecke, eine davonin Saint-André-de-Vezines

Festival des Templiers

Fast verlassenes Dorf in den Causses

Auf und ab

Der ganze Lauf ist Prinzip ein einziges Auf und Ab vom Talgrund auf die Kalkplateaus, die den Talboden um etwa 500 Höhenmeter überragen. Oben ist die Landschaft von der Sonne, die uns den ganzen Tag begleiten wird ausgetrocknet; in den Talböden, wohin sie nur selten ihren Weg findet, bleibt es dagegen feucht und glitschig.

Festival des Templiers

Alter Bauernhof auf einer Lichtung mitten im Wald

Festival des Templiers

Überall Felsformationen wie im Märchenwald

Schnell wird uns auch klar, dass wir unsere gesetztes Ziel von 12 Stunden wohl nicht erreichen werden und dass wir wohl gezwungen sein werden, für das letzte Stück wieder unsere Stirnlampen auszupacken.

Festival des Templiers
Manchmal sollte man nicht ins Stolpern geraten!

Im Schneckentempo

Bei Kilometer 50 geht es nochmal brutal 500 Meter nach oben, inzwischen muss ich befürchten, von Schnecken überholt zu werden. Aber die letzte Verpflegungsstation erwartet uns oben und der Gedanke daran zieht uns den Berg hinauf. Ankommen ist jetzt der einzige Gedanke.

Festival des Templiers

Immer wieder spektakuläre Aussichten, die man sicher hart erarbeiten muss!

Aber auch der letzte Abstieg soll sich als sehr technisch erweisen, was von der Dunkelheit noch gesteigert wird.

YEEEESSSSSSSSSS!

Überglücklich durchlaufen wir den Zielbogen und freuen uns über die hart erkämpfte Medaille und die Finisherweste. Es ist geschafft!

Zielzeit: 13:21:27 Std. für 61 km und 3500 Hm; Platz 290 bei 350 Startern

 

Alles in allem

Resümee: Gut organisierte Veranstaltung in toller, spektakulärer Landschaft mit idyllischen kleinen Dörfern, die auch ohne Lauf einen Besuch unbedingt Wert ist. Genusslaufen sieht allerdings anders aus, auf vielen schlecht „laufbaren“ Wegen mit vielen technischen Passagen (Steine, Steilpassagen etc.) ist meist volle Konzentration angesagt. Wer auch dies mag, wird voll auf seine Kosten kommen. Sicher auch interessant ist hier die Rolle des Zuschauers: Bei wenigen Läufen (außer UTMB) wird man ein so internationales und erstklassig besetztes Läuferfeld vorfinden.

Vorplanen!

Allerdings, wer Millau in seinen Laufkalender einplant, sollte sich sehr früh an die Reservierung der Unterkunft machen, die Übernachtungsmöglichkeiten sind rund um Millau doch sehr begrenzt und teilweise zur Veranstaltung auch völlig überteuert. Für Campingfans empfehle ich den „Camping de la Cascade“ in Saint-Rome-du-Tarn, ein guter, schöner und sympathischer 4-Sterneplatz etwa eine halbe Autostunde westlich von Millau direkt am Tarn. Auch Vermietung.

Hier noch mal der Link: http://festivaldestempliers.blogspot.fr/ (französisch und englisch)

Trail! – Winter! – Nacht! – La SainteLyon

Trail! – Winter! – Nacht! – La SainteLyon

Mein Weihnachtsgeschenk an euch: ein Bericht über einen der großen, traditionellen und mythischen Trailläufe in Frankreich – La SaintéLyon! Jedes Jahr am ersten Wochenende im Dezember treffen sich die Trailfans in Saint-Etienne, um dann nach Lyon zu laufen oder zumindest eine Teilstrecke davon.

Start ist um Mitternacht!

Seit 1951 wird dieser Lauf durchgeführt und hat 2013 seinen 60-jährigenGeburtstag. Das stimmt zwar nicht ganz, denn in den ersten Jahren war es eine reine Wanderung und es war sogar verboten zu laufen! Das hat sich erst 1977 geändert. Aber seitdem sind jährlich mehr und mehr Teilnehmer zu nächtlicher Zeit unterwegs, denn das ist das Besondere: Start ist nämlich traditionell um Mitternacht.

Zur Geisterstunde also machen sich Tausende auf den Weg und im Schein der Stirnlampen und Fackeln am Start, gibt diese Beleuchtung mit den dazugehörigen Dunst- und Nebelschwaben bei winterlichen Temperaturen diesem Lauf ein ganz besonderes Flair. Ganz besonders galt dies für die Jahre 2010 und 2012, als der frühe Wintereinbruch den Läufern zusätzliche Winteratmosphäre in Form von Schnee und Eis bescherte.

75 Kilometer durch die Nacht

Die Gesamtstrecke von Saint-Etienne nach Lyon beträgt jetzt 75 Kilometer. Hatte die Strecke über Jahre hinweg 69 Km betragen (wir sind hier im Departement 69, Rhône), ist sie jetzt verlängert worden. Auf etwa 50 %Straße und 50% Trails und Wegen geht es in der Dunkelheit über die Lyoner Bergrücken ins Rhonetal hinunter. Zu 1800 Höhenmetern (positiv) kommen daher 2100 Höhenmeter negativ hinzu.

Neben der Gesamtstrecke stehen zwei kürzere Läufe zur Verfügung, außerdem kann die Distanz im Team zu zwei, drei oder vier Läufern zurückgelegt werden, die dann jeweils ein Teilstück zurücklegen. Insgesamt hat die Veranstaltung heute über 12000 Teilnehmer. Alle Startplätze waren 2013 bis Mitte Oktober, also etwa 8 Wochen vor dem Start, vergeben.

La SaintéLyon

La SaintéLyon – französischer Trailklassiker jedes Jahr Anfang Dezember

Anreise und Shuttlebus

Wenn man mit dem Auto anreist, lässt man es am besten in Lyon stehen, es stehen genügend Plätze zur Verfügung. Von dort kann man mit Bussen des Veranstalters (Kosten 12 €) nachmittags bis in den Abend hinein nach Saint-Etienne fahren. Dort angekommen, sammelt sich das Läuferfeld in einer großen Messehalle mit einigen Sponsorenständen und einer Veranstaltungsbühne. Hier wird die Zeit bis Mitternacht allerdings immer länger und länger…

Besser ist es, einen Chauffeur zu haben, der nach Saint Etienne fährt. Dann kann man die Zeit noch zusammen verbringen, sich bei einem Abendessen stärken und erst relativ spät zur außerhalb gelegenen Messehalle zu fahren. Der Fahrer ist dann über die Autobahn schnell zurück und kann noch ein paar Stunden schlafen, bevor er die Läufer beim Zieleinlauf wieder in Empfang nimmt.

Achtung: Umgekehrt ist ein Transport nicht vorgesehen. Es gibt am Morgen keine Busse zurück nach Saint Etienne!

Selbst ist der Läufer

Während des Laufes selbst gibt es fünf Verpflegungspunkte. Dazwischen ist Autonomie angesagt. Ein Trinkvorrat von einem halben Liter wird deshalb zwingend vorgeschrieben. Meiner Meinung nach empfiehlt es sich, seinen Vorrat reichlicher zu bemessen. Bei so vielen Teilnehmern ist (zumindest an den ersten) Verpflegungspunkten die Hölle los. Etwas mehr Autonomie kann daher nicht schaden. Eine gute Stirnlampe empfiehlt sich wie Handschuhe, Stirnband/Fleecemütze und wettergerechte Ausrüstung von selbst.

Wie bei vielen anderen Trails heißt die Devise auch hier: wenn ich auf Zeit laufe, muss ich von Anfang an Gas geben! Geht es die ersten Kilometer noch auf breiten Straßen aus St. Etienne hinaus, haben wir spätestens an den ersten Singletrails den bekannten Flaschenhalseffekt. Man reiht sich ein und dann geht es im Gänsemarsch voran, überholen wird schwierig und kostet unverhältnismäßig viel Energie und die ist noch von Nöten.

Der Geruch des Brotes

Gut in Erinnerung ist mir noch eine Passage durch einen Ort. Es wird schon gegen fünf Uhr früh gewesen sein. Nach vielen Stunden Laufens durch die Nacht strömte mir plötzlich der Duft von frisch gebackenem Brot aus einer Bäckerei entgegen! Herrlich! Das gab nochmal Kraft für den Rest der Strecke.

Cocoricoo !

Und bald begannen auch die ersten Hähne zu singen: In Frankreich krähen die Hähne nämlich nicht, sondern sie singen: „le coq chante“; außerdem rufen die gallischen Hähne Cocoricoo! und nicht Kikerikii!; also mal genau hinhören, wenn ihr wieder in Frankreich seid ;-).

Selbst gelaufen 2009 in 9 Stunden, 3 Minuten (69 Kilometer).

Plus und Minus

Meine Pluspunkte: Atmosphäre beim Start, kilometerlange „Stirnlampen-Installationen“ unterwegs, Morgenerwachen

Meine Minuspunkte: Von der Gegend kriegst du absolut nix mit, Gedrängel unterwegs, Wartezeit vor dem Start

Alle Infos auch in englischer Sprache:

http://www.saintelyon.com/

Hier gibt es auch viele Fotos! (Sorry, kann leider keine eigenen Fotos anbieten).

La Fête des Lumières

Wenn ich schon mal da bin: La Fête des Lumières

Der Trail LaSainteLyon fand 2013 zur gleichen Zeit wie das Fête des Lumières, dem Lichterfest in Lyon statt. Vom 6. bis 9. Dezember tauchten Lichtinstallationen von Künstlern, die aus der ganzen Welt dafür anreisten, die Stadt Lyon in ein magisches Licht. Aber nicht nur Licht, auch Videoprojektionen, Toninstallationen und Theatergruppen bezaubern die Besucher von Lyon seit Jahren. Mehr dazu, auch in deutscher Sprache:

http://www.de.lyon-france.com/

No Finish Line Monaco – 24 Stunden, ein erster Versuch

No Finish Line Monaco – 24 Stunden, ein erster Versuch

Wie angekündigt, heute noch einmal ein Bericht zum No-Finish-Line-Lauf in Monaco.

Samstag, 23. November 2013, 9 Uhr: Der Startschuss fällt für circa 50 Läufer, die sich für den 24-Stundenlauf in eingeschrieben haben, darunter auch ich. Gleichzeitig drehen die 8-Tage-Läufe noch ihre Bahnen und wenige, die sich bei kaltem, grauem Wetter zum Frühsport für einige Runden eingefunden haben.

No Finish Line, Port Hercule, Monaco

No Finish Line – Blick über die Laufstrecke und das Hafenbecken zur Stadt

Laufen vor spektakulärer Kulisse

Spektakulär ist die Kulisse mit Blick über den Hafen hin zum Casino und der Hochhauskulisse von Monaco. Der Hafen selbst ist mit seinen Luxusjachten bis über 100 Meter Länge nicht weniger beeindruckend. Für uns Läufer geht es am Quai Prince Albert I entlang bis nach gut 650 Metern der Wendepunkt erreicht ist und auf gleicher Strecke wieder zurück geht. Kurz vor dem Anleger der Kreuzfahrtschiffe ist dann die Infrastruktur aufgebaut: Versorgungsstände, Anmeldecontainer, Zelt für Verpflegung und Massage und dazwischen die Wohnmobile und Zelte der 8-Tage-Läufer. Alles viel weniger spektakulär, die Verpflegung ist auch eher spartanisch.

No Finish Line, Port Hercule, Monaco

No Finish Line – Infrastruktur des Laufes – im Hintergrund der Anleger der Kreuzfahrtschiffe

Den Rhythmus finden

Zu Beginn heißt es erst einmal den Rhythmus finden, nur nicht zu schnell anfangen. Ich hatte mir vorgenommen, nicht schneller als 8 Km/h zu sein, also schön die Handbremse anziehen und sich nicht anstecken lassen von einigen Gruppen, die doch von Anfang an mächtig Gas geben.

Das Rundendrehen ist nicht so monoton wie gedacht. Dadurch, dass man sich immer wieder begegnet und auch immer wieder einige Zeit neben anderen Läufern herläuft, ist es doch recht abwechslungsreich, zumal auch immer wieder Läufer hinzukommen und andere wieder aufhören.

No Finish Line, Port Hercule, Monaco

No Finish Line – Pendelstrecke am Hafenbecken

Mein längster Rundenlauf waren bislang 6 Stunden (6 heures de Châteauroux), alle Läufe mit Laufzeiten darüber hinaus waren Straßenläufe und Trails, also nicht unbedingt vergleichbar.

15 Uhr: Mit 6 Stunden ist die erste Zeitmarke erreicht. Es ist nach wie vor kalt und grau, ideale Bedingungen also, wobei ein paar Grad mehr wären bei dem langsamen Tempo schon gar nicht schlecht… Bis hierher: Alles gut!

Akku leer

Das bleibt so bis etwa 10 Stunden rum sind. Dann merke ich doch, dass die Erkältung, die ich mir 12 Tage zuvor eingefangen habe, noch nachwirkt. Aber nachdem ja alles bereits lange im Vorfeld gebucht und reserviert war und ich lange und viel trainiert hatte, wollte ich natürlich nicht auf einen Start verzichten.

Auch Essen bringt nicht den erwünschten Energieschub und ich schleppe mich in Richtung 12-Stundenmarke. Gerade mal Halbzeit und schon ist der Akku leer! Mit dem Gedanken, weitere 12 Stunden mehr gehend als laufend am Hafen zu verbringen, konnte ich mich nicht so richtig anfreunden und habe daher nach 12 Stunden beschlossen, dass es für mich diesmal nur ein 12 Stundenlauf wird. Die Messung ist daher für mich bei 81,530 Kilometern stehen geblieben.

Auf zu neuen Zielen in 2014!

Jetzt ist erst mal ein bisschen reduziertes Training angesagt, bis es dann 2014 wieder losgeht. Es gibt noch viele spannende Läufe in Frankreich. Mehr darüber erfahrt ihr natürlich hier bei LaufeninFrankreich!